Freitag, 11. November 2005
Abschied von einer Legende - eine weltliche Liturgie
Die Straße ist mit roten Rosen übersäht, als der Wagen mit dem Sarg von Aenne Burda vor dem Burda Moden-Verlagsgebäude zum Stehen kommt. Hunderte Mitarbeiter stehen am Straßenrand, um ihrer früheren Chefin die letzte Ehre zu erweisen. Sie alle haben Rosen in der Hand, einige Tränen in den Augen. Im Hintergrund spielt die Burda-Betriebskappelle zum Abschied „Die Himmel rühmen“ und „Ännchen von Tharau“ – das Lieblingslied der Verlegerin.
Iconic Turn - Gedenken an Aenne Burda
"Das Großartige war, dass die Belegschaft eine eigenständige Form des Rituals und der weltlichen Liturgie als Form des Abschieds gefunden hat: das Spielen der Betriebskapelle, das Umringen des Sarkophags, das Vorbeiziehen des Trauerzugs am Medienpark", kommentiert der Ästhetikprofessor und langjährige Freund von Hubert Burda, Bazon Brock. "Aenne Burda hat in der Kulturgeschichte eine große Rolle gespielt. Mit ihren Schnittmustern erschuf Aenne Burda das Urmodell der Blaupause und überführte diese in die demokratische Mode. Das Prinzip der Blaupause war zum ersten Mal für alle zugänglich."
Mit Ehrenspalier und Tausenden von roten Rosen säumten die Kollegen Aenne Burdas letzten Weg über das Verlagsgelände
"Aenne Burda hat sich um unser Land und seine Menschen in hohem Maße verdient gemacht," würdigte Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger die Grande Dame der Modewelt. Er erinnerte in seiner Trauerrede an ihre unternehmerische Tatkraft und Schaffensfreude: „Aenne Burda wird für immer als eine der großen Persönlichkeiten der deutschen Nachkriegszeit gelten können.“
![]()
Abschied von Vorbild und Mutter: Dr. Maria Furtwängler und Dr. Hubert Burda
Hans-Dietrich Genscher erinnerte in seiner Rede noch einmal an die großen Erfolge der engagierten Verlegerin: Mit „Burda Moden“ erschien 1987 die erste westliche Zeitschrift in russischer Sprache. „Aenne Burda zog damit auf ihre Weise und mit ihren Möglichkeiten den Eisernen Vorhang ein Stück zur Seite", so der ehemalige Außenminister. Seine damalige Würdigung sei keine Schmeichelei, sondern großer Respekt und tiefe Dankbarkeit gewesen: „Sie hinterlässt Spuren, sie hat Bleibendes geschaffen. Sie war wirklich eine außergewöhnliche Frau.“
![]()
Hans-Dietrich Genscher bei seiner Trauerrede
Modezar Karl Lagerfeld fomulierte folgende Worte stellvertretend für mehrere tausend Menschen: “Wir haben eine große Frau und eine gute Freundin verloren“.
![]()
In der Mode verbunden: Karl Lagerfeld
Eine Woche nach ihrem Tod wurde Aenne Burda am Donnerstag den 10. November in ihrer Heimatstadt beigesetzt. Vorher nahm Offenburg mit einer bewegenden Trauerfeier von einer großen Verlegerin Abschied. Zu dem Gottesdienst in der Heilig-Kreuz-Kirche kamen über 200 Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Medien, darunter Wolfgang Schäuble, Friede Springer, Matthias Döpfner, Bernd Kundrun, John Jahr, Frank Elstner und Arthur Cohn.
Mittwoch, 09. November 2005
Augenblicke der Erinnerung an Aenne Burda
![]()
Aenne Burda mit Sohn Hubert Burda, 1966
Aenne Burda mit Andy Warhol (l) und Dr. Burda (m)
![]()
Aenne Burda mit Dr. Hubert Burda, Bambi-Verleihung 1983
Aenne Burda mit Dr. Hubert Burda bei einem Interview in Moskau
Aenne Burda mit Dr. Hubert Burda, Vertragsabschluss "Isvestija" in Moskau
![]()
Dr. Hubert Burda mit Aenne Burda in Moskau, 1988
![]()
Aenne Burda und Dr. Hubert Burda
![]()
Verleihung des Valentin-Ordens an Aenne Burda, 1990
Dr. Hubert Burda mit Mutter Aenne Burda und Ehefrau Maria Furtwängler
![]()
Dr. Hubert Burda und Aenne Burda, 1999
Dr. Hubert Burda mit seiner Mutter Aenne Burda in Offenburg
![]()
Anläßlich des 95. Geburtstags von Aenne Burda
Mittwoch, 09. November 2005
Die Frau, die ein Jahrhundert prägte
Die Großverlegerin und Modevisionärin Aenne Burda starb mit 96 Jahren. Sie war Vorbild und Vorkämpferin für Millionen Frauen. Der vollständige Nachruf in BUNTE 46/2005 als .pdf: Download file
![]()
Triumph in Moskau: Aenne Burda nach der Burda-Modegala 1987
Mittwoch, 09. November 2005
Prominente Anteilnahme
„Mit Aenne Burda ist eine Frau gestorben, die Millionen von Menschen geholfen hat, Schönheit in ihr Leben zu bringen. Mit Kreativität und Geschäftssinn hat sie vielen den Traum vom preiswerten Modeglück erfüllt und so dazu beigetragen, dass in den kargen Aufbaujahrzehnten der Bundesrepublik neues Selbstwertgefühl wachsen konnte“, schreibt Bundespräsident Horst Köhler in seinem Kondolenzschreiben.
Donnerstag, 03. November 2005
Trauer um Aenne Burda
In den Morgenstunden des 3. Novembers verstarb Aenne Burda im Kreise ihrer Familie in Offenburg. Sie war im 97. Lebensjahr.
Sie hatte 1949 mit dem Aufbau ihres Verlages Burda Moden begonnen, den sie zum weltweit größten Modenverlag ausbaute. Als Anna Lemminger wurde sie am 28. Juli 1909 in Offenburg geboren und heiratete 1931 den Drucker und Verleger Dr. Franz Burda. Das Ehepaar hat drei Söhne, Franz (1932), Frieder (1936) und Hubert (1940).