In Gedenken an Frieder Burda

Ein Bild des Künstlers Andy Warhol aus dem Jahr 1982: Die Brüder Hubert Burda, Franz Burda und Frieder Burda (v.l.n.r.) © HBM

Frieder Burda, der Bruder von Verleger Hubert Burda, ist am Sonntag im Alter von 83 Jahren in Baden-Baden gestorben. Er hinterlässt seine Ehefrau Elke und vier Kinder – eines davon ist Patricia Kamp, die mit dem Museum Frieder Burda dessen Lebenswerk weiterführen wird. Hubert Burda konnte sich von seinem Bruder am Freitag in Baden-Baden persönlich verabschieden.

«Frieder und mich hat immer unsere tiefe Liebe zur Kunst verbunden. Mein Bruder hat ihr nach dem Tod unseres Vaters sein Leben gewidmet, und er hinterlässt der Welt mit über 1000 frei zugänglichen Meisterwerken ein großartiges Vermächtnis.»

Hubert Burda

Vor wenigen Wochen erst war das Buch „Von Mougins nach Baden-Baden. Frieder Burda und die Kunst“ erschienen. Die ARD-Journalistin Bernadette Schoog hat die Lebensgeschichte Frieders nachgezeichnet, und unter anderem gezeigt, welch große Rolle die Kunst in der Familie Burda schon ab den 50er und 60er Jahren einnahm.

Beteiligung an Axel Springer

Bis 1986, dem Todesjahr des Senators Franz Burda, war Frieder Burda im Verlag verantwortlich für Finanzen, Verwaltung und Beteiligungen. Im Laufe der Jahre war durch zahlreiche Zu- und Verkäufe aus dem Druck- und Verlagshaus eine große Unternehmensgruppe entstanden, die nach dem Tod von Franz Burda im Jahr 1986 neu geordnet wurde. Die Brüder Franz und Frieder übernahmen sämtliche Beteiligungen, unter anderem an den US-amerikanischen Druckereien, deutschen Papierfabriken und dem österreichischen Pressevertrieb. Am lukrativsten waren die Anteile am Verlagshaus Axel Springer, schon 1983 hatte Frieder Burda insgesamt 24,9 % an dem Unternehmen gekauft. Verleger Hubert Burda wurde alleiniger Gesellschafter der Burda GmbH mit Sitz in Offenburg, wo alle Druck- und Verlagsaktivitäten gebündelt waren. Mit dieser „Realteilung“ waren die Geschäfte klar getrennt und Frieder Burda schaffte es, die Anteile an Axel Springer für seinen Bruder Franz und sich bis auf eine Sperrminorität zu erhöhen.

Leidenschaft für den Erhalt Jerusalems

Über eine persönliche Freundschaft zum damals legendären Bürgermeister Jerusalems, Teddy Kollek, lernt Frieder Burda diese Stadt kennen und lieben. Über die Jerusalem Foundation, die er mitgründet, können 1986 die dringend erforderlichen Renovierungsarbeiten am „Löwentor“ in der Via Dolorosa aufgenommen werden. Nicht nur Verleger Axel Springer ist beeindruckt von der tatkräftigen Hilfe. Gemeinsam mit Axel Springer empfinden beide Brüder Frieder und Hubert eine besondere Verantwortung der deutschen Verlage für die Zukunft Israels und Jerusalems als die Wiege unserer Kultur.

Ein Leben für die Kunst

Seine Lebensaufgabe fand Frieder Burda nach der Realteilung in der Kunst. Mit Anfang 30 kaufte er 1968 ein Bild des zeitgenössischen Malers Lucio Fontana für etwa 3.500 D-Mark und legte damit den Grundstein seiner Kunstsammlung. Seit Mitte der 1980er Jahre sammelte Burda dann intensiv und systematisch die Werke von Gerhard Richter und Sigmar Polke. Zusätzlich widmete er sich dem deutschen Expressionismus mit Werken von Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner, Wilhelm Lehmbruck und August Macke. Der amerikanische abstrakte Expressionismus mit Werken von Jackson Pollock, Arnulf Rainer, Willem Kooning und Mark Rothko bildeten einen weiteren Schwerpunkt. Heute umfasst die Sammlung über 1000 Meisterwerke moderner und zeitgenössischer Kunst.

Um die Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wurde 1998 die „Stiftung Frieder Burda“ gegründet, Frieder Burda blieb bis zuletzt ihr einziger Stifter und finanzierte alles aus seinem privaten Vermögen. 2002/03 entschied sich die Stiftung zum Neubau „Sammlung Frieder Burda“ in Baden-Baden und beauftragte den New Yorker Stararchitekten Richard Alan Meier, der das zunächst umstrittene Projekt umsetzte. Im Oktober 2004 konnte Frieder Burda das Museum in der Baden-Badener Lichtentaler Allee eröffnen. Heute ist der „Palast des Lichts“ eines der bedeutendsten Museen für moderne Kunst in Europa und ein kultureller Magnet für Baden-Baden. Das große Erbe wurde Patricia Kamp von Frieder Burda schon vor Jahren in die Hände gelegt. Nun ist es an der 37-jährigen leidenschaftlichen Kuratorin, das großartige Vermächtnis ihres Stiefvaters in die Zukunft zu führen.